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Barrierefrei Praxiswebseite – für Ärzte ein Muss?

In Deutschland gibt es für fast alle Sachverhalte eine Richtlinie, Verordnung oder ein Gesetz. Dass der praktische Nutzen dieser Vorschriften teilweise in Frage gestellt werden kann, ist sicherlich unumstritten. Doch gibt es auch Vorgaben, deren Intention sehr sinnvoll ist: So auch die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV-2.0), die eine Ergänzung zum Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) darstellt.Eines der Kriterien für barrierefreie Internetseiten: Die automatische Bildabfolge kann jederzeit durch Klicken auf das Bild angehalten werden.

Die BITV-2.0 gilt zunächst ausschließlich für Behörden der Bundesverwaltung und verpflichtet diese, ihren Internetauftritt, inklusive aller digitalen Angebote, so zu gestalten, dass der Zugang zu den bereitgestellten Informationen auch für Behinderte möglich ist. So müssen Textinhalte auch in anderen Formen, zum Beispiel als Audiodateien, bereitgestellt werden. Auch wenn diese BITV-2.0 bisher nur für Bundesbehörden verpflichtend ist, so sollte man besonders bei der Internetseite für die Arztpraxis in Erwägung ziehen, dass auch behinderte Patienten sich über die Leistungen und Mitarbeiter der Praxis informieren möchten. Für eine Augenarztpraxis sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass die Praxiswebseite auch für Patienten mit Sehbehinderungen zugänglich ist.

Nun mag man sich denken – netter Gedanke, aber:

  • Was heißt barrierefrei denn eigentlich?
  • Ist meine Webseite eigentlich schon entsprechend gestaltet?
  • Umprogrammieren – ist das mit viel Aufwand verbunden?

Außerdem wurde die Praxiswebseite gerade erst neu gestaltet, nicht wieder von vorn! In diesem Beitrag sollen genau diese Gedanken besprochen werden. Die Leiterin des BVA Ressorts Kontaktlinsen, Dr. med. Dorothea Kuhn, lässt dabei ihre eigenen Erfahrungen einfließen: Sie hat ihre Praxiswebseite nach den Anforderungen der „Richtlinien für barrierefreie Webinhalte“ gestalten lassen von einem IT-Fachmann, der aufgrund eines kongenitalen Aniridie Syndroms an einer Sehbehinderung leidet.

Was versteht man unter Barrierefreiheit?

Eine barrierefreie Webseite ist für Men- schen mit sensorischen und motorischen (und in gewissen Rahmen mentalen) Einschränkungen zugänglich. Das heißt, dass beispielsweise Kontraste und Schriftgrößen verändert werden können oder Textinhalte mit korrespondierenden Audio- und/ oder Video- bzw. Bildinhalten hinterlegt werden und Patienten mit Sehbehinderungen verfügen in der Regel über einen sogenannten „Screenreader“, der Textinhalte sozusagen vorliest.

Aus Sicht eines Patienten beschreibt der sehbehinderte IT-Fachmann, der D. Kuhn bei der Gestaltung ihres Internetauftritts unterstützt hat, welche Anforderungen er selbst an eine Webseite stellt:

  • Wenn Bilder vorhanden sind, sollten sie umfassend beschrieben werden. auf Einsprachigkeit achten, um Probleme mit dem „Screenreader“ zu vermeiden keine große Tabellen einbauen, da sonst die Übersicht beim Vorlesen verloren geht
  • klare, sich wiederholende Navigation verwenden, um die Orientierung zu er- leichtern
  • keine „PopUps“, da Blinde hierdurch unnötig verwirrt werden (PopUps sind Fenster im Browser, die sich automatisch öffnen – häufig gibt es diese für Werbungen oder Umfragen)
  • Sich bewegende, scrollende oder sich automatisch ändernde Objekte sollten angehalten werden können.
  • Multimediapräsentationen sollten eine Audiobeschreibung für wichtige Informationen der Videospur bereithalten.
  • alle durch Farben bereitgestellten Informationen sollten auch alternativ beschrieben sein
  • Internetangebote sollten so gestaltet sein, dass Unabhängigkeit von Ausgabe- und Eingabegeräten gewährleistet wird.
  • Dem Nutzer sind Informationen zum Kontext und zur Orientierung bereitzustellen.

Auf Farben und Kontraste achten.

Viele dieser Punkte werden oft bereits unbewusst erfüllt. Die meisten Praxen beschreiben ihr Leistungsangebot auf der Webseite, beispielsweise das Angebot der Durchführung von YAG- oder Netzhautlasern. Viele greifen dabei auf ein Bild zurück und beschreiben die Durchführung der Laserbehandlung. Bildet man das Praxisteam ab, so lässt sich mit einem einfachen Satz erklären: „Unser Praxisteam besteht aus fünf bis acht Helferinnen und einem Team von drei Ärzten, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen“. Tabellen werden auf Praxiswebseiten sehr selten verwendet, so auch PopUps. Die meisten Praxen, die Videos auf der Homepage verwenden, haben diese in der Regel als Video mit einem Start- und Pause Knopf versehen, da dies der Norm entspricht.

Schwierig wird es bei der Farbgebung. Während es ja bekannt ist, dass die Kombination grün-rot problematisch für deuteranope und protanope Patienten ist, sollte man bei der Farbgebung auch auf die Kontraststärke achten und typischerweise schwer zu lesende Farbkombinationen nicht verwenden. Die Farbgebung lässt sich einfach ändern bzw. im Vorfeld gut berücksichtigen – so vermeidet man viele Probleme für Menschen mit Sehbehinderungen.

Die eigene Homepage testen: Woran erkennt man eine barrierefreie Webseite?

Es gibt eine Menge von Werkzeugen, die Programmierer einer Praxishomepage nutzen können, um die Barrierefreiheit zu testen. Dort sind in der Regel auch die entsprechenden Programmiercodes angegeben, die geändert werden müssen, um die Zugänglichkeit für Behinderte zu verbessern. Folgende Testseiten sind für Programmierer hierzu nützlich:

• Farbenblindheit simulieren: http://colorfilter.wickline.org
• Text- und Bilddateien auf Barrierefreiheit prüfen: http://achecker.ca/checker/index.php?lang=deu

Oft bedarf es nur kleiner Änderungen oder die Webseiten sind bereits gut programmiert und bedürfen gar keiner Umstellungen. Prüfen Sie doch einfach einmal Ihre Webseite (oder lassen Sie prüfen) und schauen Sie, ob Ihre Homepage noch „Spielraum nach oben“ hat. Dies stellt für viele Patienten eine enorme Service Verbesserung dar. Und Service wird in Zeiten von Selbstzahlerleistungen sehr groß geschrieben, allein schon wegen der Barrierefreiheit …!

Dorothea Kuhn

Julia Hörster
Markus Klingenstein

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